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Gemeinsam einsam in Zeiten von Corona


In den letzten Tagen wurde rund um das Thema Homeoffice viel geschrieben, gesagt, gehypt und zerrissen. Tools, die gestern das Nonplusultra waren, sind heute absolut out, vielfach, weil es dann neben der schönen Oberfläche doch nicht so weit her war mit dem Datenschutz. Was bleibt sind viele Fragen und Unsicherheiten.

Führungskräfte wollen wissen, wie sie ihre Mitarbeiter auf Distanz führen sollen, manche haben Angst, die Kontrolle zu verlieren. Und Mitarbeiter wissen nicht, was sie dürfen und was nicht. Die Einschränkungen, denen wir derzeit alle unterliegen als auch die Mehrbelastung vor allem von Menschen, die so ganz nebenbei ihre Kinder zuhause betreuen müssen, machen es nicht besser und hinterlassen bei vielen ein Gefühl von Unzulänglichkeit. Nichts kann man zu 100% machen, alles irgendwie nur so halb… Hört man sich um, bekommt man zudem das Gefühl, dass die (Online- )Meetingdichte um ein Vielfaches zugenommen hat. Man fragt sich, ob das wirklich nötig ist.

Soweit das düstere Szenario…

Als ich mit den Recherchen zu diesem Beitrag angefangen habe, war das klare Ziel, etwas zu den verschiedenen Meetingtools und was man dabei beachten sollte zu schreiben. Je weiter ich mich aber eingelesen habe, desto mehr wurde mir klar, dass die Welt nicht noch einen dieser Artikel braucht.

(Für alle, die aber noch am Anfang stehen oder nach Alternativen zu existierenden Tools suchen, habe ich am Ende des Artikels entsprechende Quellen verlinkt.)

Ich habe mich daher entschieden, es mit einem Gegenentwurf zum Düsteren zu probieren. Privat lese ich gerade ein Buch mit dem Titel „Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit“ von Rutger Bregman, das versucht, unserem düsteren Menschenbild vom bösen Menschen, der egoistisch, unsozial und faul ist, etwas entgegen zu setzen. Bregmann setzt sich dabei mit vielen geschichtlichen wie sozialwissenschaftlichen Ereignissen und Forschungsergebnissen auseinander. Es wäre vermessen, die sehr komplexen Sachverhalte hier kurz zusammenfassen zu wollen, die wichtigste Botschaft steht jedoch bereits im Titel – der Mensch ist von Grund auf gut (sozial, engagiert, kooperativ etc.).

Spannend wird es, wenn wir diese Annahme auf unsere Arbeitswelt übertragen. Viele von Ihnen werden mir sicher recht geben, wenn ich sage, dass die meisten Kollegen und Kolleginnen, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie Führungskräfte normalerweise motiviert und engagiert ihrer Arbeit nachgehen.

Warum sollte sich dies also aktuell ändern?

Sicher ist die Belastung im Moment groß und man muss einige Abstriche machen, aber die Menschen bleiben doch dieselben. Sie wachsen an ihren Aufgaben - häufig auch über sich hinaus. Die aktuelle Situation bietet gerade neben all den Schreckensszenarien auch die einzigartige Möglichkeit, mutig zu sein, neues zu entwickeln und v.a. GEMEINSAM tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Vielleicht geht es ja im Moment weniger um harte Effizienz, sondern um Teams, die auch nach der aktuellen Herausforderung noch miteinander arbeiten wollen?

Also liebe Führungskräfte, die ihr unsicher seid, führt einfach weiter, wie Ihr bisher geführt habt. Redet, wenn es Gesprächsbedarf gibt, schweigt, wenn es angebracht ist und seid ansonsten für die Anliegen eurer Mitarbeiter da. Wenn es üblich ist, morgens kurz im Büro der Mitarbeiter vorbeizuschauen, dann tut das auch jetzt, nur eben via Videochat. Wenn Ihr sonst gemeinsam zu Mittag esst oder einen Kaffee trinkt, dann könnt Ihr das auch heute tun. Die meisten Meetings lassen sich online umsetzen und nicht immer braucht es dafür Videokonferenzen. Warum nicht eine Dienstbesprechung mal per Chat probieren?

Und liebe MitarbeiterInnen und KollegInnen, auch Ihr könnt euch untereinander zum gemeinsamen Kaffee verabreden, eure Führungskräfte erreichen und als Team arbeiten. Wenn Ihr in einem Thema feststeckt und nicht weiterkommt, fragt doch einfach mal eure minderjährigen Co-Worker, die mit am Tisch oder im Nachbarzimmer sitzen. Manchmal führt dies zu außerordentlich kreativen Lösungsansätzen. Und wenn nicht, hilft einem zehn Minuten Lego spielen oder puzzeln auf alle Fälle, den Weg aus dem Tunnel zu finden.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein wenig mehr Gelassenheit im Umgang miteinander sowie viel Spaß beim Ausprobieren neuer Arbeits- und Verhaltensweisen.

 

- Blogbeitrag verfasst von Anika Rehe -

Quelle:

Rutger Bregman: Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit. Rowohlt. 2020.