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Homeoffice - Welche aktuellen Befunde gibt es zur Teleheimarbeit und was sollten Sie beachten?


Homeoffice ist nach Haufe.de “… eine flexible Arbeitsform, bei der die Beschäftigten ihre Arbeit vollumfänglich oder teilweise aus dem privaten Umfeld heraus ausführen.“ und wird von den Autoren mit Telearbeit gleichgesetzt. Nach Schaper (2019) kann Telearbeit in mobile Arbeit, Telezentren, Telearbeit vor Ort und Teleheimarbeit — dem umgangssprachlichen Homeoffice in den eigenen vier Wänden (Haufe.de) — unterteilt werden. Um letzteres soll es in diesem Blogbeitrag gehen. Im Folgenden werden Homeoffice und Teleheimarbeit als Synonyme genutzt.

In Deutschland ist es nach Grunau et al. (2019) in jedem vierten Betrieb möglich, Telearbeit zu verrichten. Etwa 10 Prozent der Beschäftigten nutzen die Möglichkeit der Teleheimarbeit, wobei der Anteil langsam steigt (Grunau et al., 2019). Die Autoren führen aus, dass sich die Verbreitung von Homeoffice nach der jeweiligen Berufsbranche richtet, wovon sich manche kaum dazu eignen Arbeit in den eigenen vier Wänden einzuführen. So ist im produzierenden Gewerbe Teleheimarbeit wenig anzutreffen, im Vertrieb oder Marketing, in der Dienstleistung und Administration jedoch wesentlich häufiger (ebd.). Zudem berichten die Autoren von einem Zusammenhang mit der Betriebsgröße: Je größer der Betrieb, desto häufiger wird Homeoffice angeboten (ebd.). Betrachtet man die Auswirkungen von Teleheimarbeit, so zeigen sich sowohl Vor- als auch Nachteile gegenüber ausschließlicher Arbeit im Unternehmen.

Eine Übersicht dazu können Sie der folgenden Tabelle entnehmen:

Vorteile  von Homeoffice Nachteile von Homeoffice

aus Arbeitnehmerperspektive

  • erhöhte Autonomie1)
  • Mehr Mitspracherechte1)
  • Höhere Arbeitszufriedenheit1)  
  • Weniger Gelenk- und Rückenschmerzen1)
  • Mehr Arbeit wird erledigt1      
  • Konzentrierteres Arbeiten möglich1)
  • Fahrzeit wird gespart2)
  • Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie2)

 

aus Unternehmerperspektive

  • weniger Fehlzeiten der Arbeitnehmer1)
  • Produktivität der Mitarbeiter ist erhöht2)
  • flexiblere Arbeitszeitgestaltung der Mitarbeiter ist möglich3)
  • Einsparungen in den laufenden Kosten3)

 

aus Arbeitnehmerperspektive

  •            Höhere psychische Belastung und
    vermehrte gesundheitliche Beschwerden und Beeinträchtigungen1)

  •    ·    Probleme bei der Trennung Privat- & Berufsleben2)

  •        Doppelbelastung (Arbeit und Kinderbetreuung) der Mütter höher4)

 

 

 

 

aus Unternehmerperspektive

  •  Absprache- und Organisationsbedarfe erhöht3)
  • Anforderungen an Führungspersonen erhöht3)

 

 

 

 

 

1) Waltersbacher, Maisuradze, & Schröder (2019), 2) Grunau et al. (2019), 3) Schaper (2019), 4) Lott (2019)

 

Etwas genauer möchte ich den Nachteil der höheren psychischen Belastung und vermehrten gesundheitlichen Beschwerden und Beeinträchtigungen beleuchten, die  Waltersbacher, Maisuradze, & Schröder (2019) schildern. Den Autoren zufolge haben Teleheimarbeitende zwar durchschnittlich weniger Fehltage als Personen, die nur im Unternehmen tätig sind (7,74 vs. 11,9 Fehltage), gleichzeitig litten aber signifikant mehr Homeofficenutzende an Beschwerden und Beeinträchtigungen ihrer Gesundheit, wie etwa Erschöpfung, Wut, Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, Konzentrationsproblemen, Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit und Nervosität und berichteten zudem, dass sie nach Feierabend nicht abschalten könnten (Waltersbacher et al., 2019).

Betrachtet man wie Teleheimarbeitende ihre Zeit zu Hause nutzen, weist Lott (2019) auf eine Doppelbelastung von Müttern hin. Die Autorin berichtet dazu, dass Mütter, die Teleheimarbeit nutzen, durchschnittlich ca. eine Stunde pro Woche mehr arbeiten und drei Stunden mehr für die Betreuung ihrer Kinder verwenden als Mütter, die nur im Unternehmen tätig sind.

Beim Thema Arbeitszufriedenheit sind Teleheimarbeiter durchschnittlich zufriedener als Beschäftigte, die nur im Unternehmen arbeiten und auch nicht in Teleheimarbeit arbeiten möchten (Grunau et al., 2019). Den Autoren zufolge sind Beschäftigte mit einem unerfüllten Teleheimarbeits-Wunsch dagegen die Gruppe mit den geringsten Werten bei der Arbeitszufriedenheit.

Was sollte man vor der Aufnahme einer Tätigkeit in Teleheimarbeit beachten?

Die Antwort lautet: Ziemlich viel.

Der Arbeitnehmer hat nach Haufe.de weder ein Recht auf Teleheimarbeit, noch ist er verpflichtet Teleheimarbeit zu erbringen. Der Arbeitgeber ist sowohl für die professionelle Ausstattung des heimischen Arbeitsplatzes meist kostentragend verantwortlich, als auch für die Umsetzung geltender Arbeitsschutzvorschriften, die wie im Unternehmen auch am Teleheimarbeitsplatz zur Geltung kommen (Aumann, 2019; Isenhardt, 2016). Für die Einrichtung des Teleheimarbeitsplatzes sind ebenfalls die ergonomischen Richtlinien zu berücksichtigen (Aumann, 2019). Um Maßnahmen zum Arbeitsschutz durchführen zu können, muss der Arbeitgeber nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) eine Beurteilung der Gefährdung, die mit der Teleheimarbeit einhergeht, durchführen (Gefährdungsbeurteilung). Um die notwendigen Informationen dazu zu erhalten, genügt die konkrete Nachfrage des Arbeitgebers nach Gefährdungen und die diesbezügliche Auskunft des Arbeitnehmers und die Einbindung der dadurch erhaltenen Information in die Gefährdungsbeurteilung durch den Arbeitgeber (Isenhardt, 2016). Aumann (2019) ergänzt, dass die Unterweisungspflicht hinsichtlich der Arbeitsschutzvorschriften ebenfalls beim Arbeitgeber liegt.

Weitere einzuhaltende Rechtsgrundlagen sind nach Isenhardt (2016) und Datenschutz.org (2019) bspw.:

  • die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), 
  • die Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Verwendung von Arbeitsmitteln (BetrSichV),
  • das Arbeitszeitgesetz (ArbZG),
  • Gesetze zum Schutz und der Sicherheit von Daten, wie etwa:
    • das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG neu) und die
    • Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)

Bei zahlreichen Aspekten, die bei der Umsetzung von Teleheimarbeit berührt werden, sind zudem die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates zu beachten. Solche Aspekte können etwa die Arbeitszeit, den Arbeitsschutz oder die Vergütung, als auch die Einrichtung des Teleheimarbeitsplatzes betreffen (vgl. Isenhardt, 2016). Um die Belange von Homeoffice zu regeln empfiehlt Haufe.de Arbeitgebern mit Teleheimarbeitern eine klare schriftliche Vereinbarung zu treffen, und dafür eine Zusatzvereinbarung zuzüglich zum bestehenden Arbeitsvertrag, oder einen separaten Tele(heim)arbeitsvertrag aufzusetzen.

Unter versicherungsrechtlichem Gesichtspunkt ist anzumerken, dass die gesetzliche Unfallversicherung auch für die Arbeit im Homeoffice zum Tragen kommt (Isenhardt, 2016). Dabei kann es jedoch bei der Beurteilung, ob es sich bei einem Unfall im Zuge dieser Arbeit um einen Arbeitsunfall handelt, durch die eventuelle berufliche und private Vermischung von Tätigkeiten in Teleheimarbeit zu Problemen kommen (vgl. Aumann, 2019; Isenhardt, 2016). Die Beweislast liegt zudem beim versicherten Beschäftigten, also dem Teleheimarbeiter (Aumann, 2019).

Fazit:

Teleheimarbeit besitzt sowohl Vorteile als auch Nachteile, die man sich bei der Einführung von Homeoffice sowohl auf Arbeitnehmer-, als auch auf Arbeitgeberseite vergegenwärtigen und diese für sich persönlich abwägen sollte.

Als Arbeitnehmer sollte man sich vorher schon Gedanken über den ggf. geänderten Tagesablauf und -inhalt machen, diesen mit dem Partner auch hinsichtlich der Kinderbetreuung organisieren und strukturieren und dabei persönliche Ruhe- und Pausenzeiten mit einplanen. Klare eigene Regeln zur Abgrenzung (Bspw: Bis zu welcher Uhrzeit beantworte ich Emails?) können hierbei helfen.

Als Arbeitgeber sollte man sich bewusst sein, dass Beschäftigte mit unerfülltem Teleheimarbeitswunsch die niedrigsten Arbeitszufriedenheitswerte haben (Grunau et al., 2019). Demzufolge gilt es bei Beschäftigten in Branchen, die Homeoffice geeignet sind, zu erfassen, ob dieser Wunsch besteht und zu überlegen, ob eine Einrichtung von Homeoffice nicht doch möglich wäre.

Die beispielhaft aufgeführten Rechtsgrundlagen geben zu erkennen, dass man bei der Einführung von Teleheimarbeit einiges beachten sollte, jedoch im Vergleich zu einem Arbeitsplatz im Unternehmen nichts generell Neues hinzukommt. Arbeitgebern und -nehmern, die sich unsicher bezüglich der geltenden Rechtsvorschriften bei Teleheimarbeit fühlen, wird die Rücksprache mit einem Anwalt für Arbeitsrecht empfohlen. Vor allem als Arbeitnehmer sollte man sich bei der Arbeit im Homeoffice vergewissern, was man innerhalb des gesetzlichen Versicherungsschutzes tun kann und wo dieser endet. Im Zweifelsfall ist die Kontaktierung des jeweiligen Unfallversicherungsträgers zu empfehlen.

Weitere Informationen zum Thema Homeoffice erhalten Sie hier.

Download
Hier finden Sie eine Checkliste für das Einrichten eines Homeoffices.
Checkliste.pdf
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- Blogbeitrag verfasst von Albrecht Freudewald -

Praktikant MobiLe!


Quellen:

Aumann, A. (2019). Arbeitsunfall 4.0. Baden-Baden: Nomos.

Grunau, P., Ruf, K., Steffes, S. & Wolter, S. (2019). Mobile Arbeitsformen aus Sicht von Betrieben und Beschäftigten. Homeoffice bietet Vorteile, hat aber auch Tücken.
IAB-Kurzbericht, 11/2019, 1-12, Nürnberg.

Haufe.de. Homeoffice – Definition und Regelungen im Arbeitsrecht. Abgerufen von https://www.haufe.de/thema/homeoffice/ [06.02.2020]

Isenhardt, T. (2016). Homeoffice. Einrichtung und Ausgestaltung. Arbeits-, steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Leitfaden. Der Betrieb, 69, 1499-1502.

Lott, Y. (2019). Weniger Arbeit, mehr Freizeit. Wofür Mütter und Väter flexible Arbeitsarrangements nutzen. WSI Report, 47, 1-16.

Schaper, N. (2019). Neue Formen der Arbeit. Das Beispiel Telekooperation. In  F.W. Nerdinger,  G. Blickle & N. Schaper (Hrsg.), Arbeits- und Organisationspsychologie. (S. 601-628), 4. vollständig überarbeitete Auflage. Berlin: Springer-Verlag.

Waltersbacher, A., Maisuradze, M., & Schröder, S. (2019). Arbeitszeit und Arbeitsort – (wie viel) Flexibilität ist gesund? In B. Badura, A. Ducki, H. Schröder, J. Klose & M. Meyer (Hrsg.), Fehlzeiten Report 2019. Digitalisierung – gesundes Arbeiten ermöglichen (S. 77-108). Berlin: Springer-Verlag.

Datenschutz.org (2019). Bundesdatenschutzgesetz (BDSG)-Rechtliche Grundlage für den Datenschutz. Abgerufen von https://www.datenschutz.org/bdsg/ [06.02.2020]