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Do it yourself - Lernvideos


Immer wieder werden wir von Unternehmen angesprochen, ob wir nicht eine Methode oder ein Tool wüssten, mit der Einarbeitungen, Anleitungen oder kleinere Weiterbildungseinheiten sinnvoll und zeitökonomisch unterstützt werden können. Häufig verweisen wir dann als eine Möglichkeit auf Lernvideos. Warum Lernvidos im beruflichen Kontext gut einzusetzen sind, haben wir bereits in einem früheren Blogbeitrag vorgestellt. Viele Unternehmen schreckt jedoch der Aufwand ab, den ein eigenes Erstellen vermeintlich bedeuten würde, und vor der technischen Umsetzung. Doch wie viel Aufwand ist es wirklich? Welche Hilfsmittel sind dafür zwingend notwendig? Und welches Know-how wird benötigt? Sicherlich kann man alle diese Informationen googeln, doch wir wollten es konkret wissen und starteten den Selbstversuch mit einfachen, für jeden zugänglichen Mitteln. Das Ergebnis sehen Sie hier.

Zuerst probierten wir verschiedene, im Unternehmen vorhandene Geräte aus (z.B. ein älteres iPad, Handys der Reihe Samsung Galaxy J3 und Galaxy S8) und drehten kurze Probevideos, um uns die Bildqualität anzuschauen. Wir entschieden uns für das Samsung Galaxy S8 und suchten anschließend nach einem gut zu bedienenden, zugleich kostenlosen Videobearbeitungs- und Schnittprogramm. Uns war es wichtig, Open Source Programme zu verwenden, damit gerade Unternehmen ohne große finanziellen Ressourcen diese DIY-Möglichkeit für sich nutzen können. So entstehen außer der Arbeitszeit der am Dreh und Schnitt beteiligten Mitarbeiter keine zusätzlichen Kosten. Wir haben uns nach eingehender Recherche für die Software Shotcut entschieden. Sie wurde zum einen mehrfach in einschlägigen Foren oder Blogs gut bewertet, zum anderen ist sie einfach zu bedienen und es gibt genügend Tutorials, um sich schnell in die Software einzuarbeiten.

Nachdem die technischen Rahmenbedigungen geklärt waren, mussten nur noch experimentierfreudige Kollegen und Auszubildende gefunden werden, die sich filmen lassen wollten. Dies ging erstaunlich schnell! Ein Ausbilder im Bereich Metall der ÜAG Jena erklärte sich mit einem seiner Azubis bereit, an unserem Test (inkl. Freigabe zur Veröffentlichung) teilzunehmen. Eine typische vermeintlich einfache Aufgabe, die sich gut in Teilschritte gliedern ließ und zum Ausbildungsstandard der Metallbearbeiter gehört, war ebenfalls schnell gefunden. Eine Grundplatte sollte gefertigt werden.

Am Drehtag folgten in unserer Metallwerkstatt kurze Testaufnahmen, um die Lichtverhältnisse zu prüfen und die besten Aufnahmewinkel herauszufinden. Nachdem alles und alle bereit waren, starteten wir mit den Aufnahmen. Dabei entschieden wir uns für ein sequentielles Vorgehen. Das heißt: Wir filmten alle Teilschritte, die an einem Arbeitsort stattfanden und unterbrachen kurz den Dreh sobald ein Standortwechsel vorgesehen war. Gefilmt haben wir mit zwei Handys, sodass wir im besten Fall bei der Nachbearbeitung zwei verschiedene Aufnahmeperspektiven zur Auswahl gehabt hätten. Doch auch Filmverlust kann so vermieden werden. Denn wir stellten später fest, dass wir vergessen hatten, bei einem der Handys, immer wieder von Foto auf Videomodus umzustellen. Daher hatten wir am Ende des Drehs also alle Schritte auf Video und ganz viele Fotos dieser einzelnen Arbeitsschritte. Natürlich ärgerten wir uns ein wenig darüber, da dies doch ein klassischer Anfängerfehler war. Allerdings stellten sich die Fotos später als sehr nützlich heraus, um wenig erkennbare Details im Lernvideo besser einblenden zu können. Auch andere typische Stolpersteine des Handyvideodrehs nahmen wir mit: Wir filmten hochkant, obwohl gängige Videos immer Querformat haben. Doch aus Fehlern wird man bekanntlich klug...

Nun ging es also an die Nachbearbeitung der Aufnahmen. Dieser Aufgabe habe ich mich allein gestellt und ich muss gestehen, das hatte ich mir einfacher vorgestellt. Für jemanden, der noch nie etwas mit Videobearbeitung zu tun hatte, erschloss sich das Programm Shotcut dann doch nicht auf den ersten Blick. Eine ganze Weile verbrachte ich daher mit Tutorialvideos - dem Internet sei Dank. Unser Video bearbeitete ich dann schrittweise nebenbei. Leider fand ich keinen einfachen Weg, um beispielsweise ein Titelbild (mit unseren ganzen Förderlogos) in Shotcut zu erstellen, sodass ich dafür auf MS PowerPoint auswich. Einfach eine schwarze Folie in Größe der Bildaufnahme mit den gewünschten Inhalten erstellt und als JPEG exportiert - erledigt. Diese habe ich dann auf eine extra Videospur gezogen. Vermutlich gibt es elegantere Wege, dieser hat jedoch für unser Video ganz gut funktioniert. Nachdem ich die Basics der Software verstanden hatte, war es dann relativ einfach möglich mit diversen Filtern und Funktionen zu spielen.

Herausgekommen ist schließlich ein Video, das nicht perfekt, doch für unsere Zwecke ausreichend ist. Als finales Format entschied ich mich für MPEG-4 (.mp4), da es für den Einsatz im Web aufgrund seiner hohen Kompatibilität empfehlenswert ist. Je nach Ausstattung des eigenen PCs und der Größe der Ausgangsdatei kann das Konvertieren allerdings eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Obwohl die Erstellung einer Grundplatte kein hoch komplexer Vorgang ist, besteht es doch aus vielen Teilschritten, sodass die Dauer unseres Videos insgesamt 7:53 Minuten beträgt. Für ein Lernvideo ist dies relativ lang, kann jedoch für den Einsatz in einem Unternehmen bzw. für eine Lehrunterweisung recht einfach in kleinere Einheiten analog zu den Arbeitsschritten aufgeteilt werden.

Unser Beispiel zeigt, dass man keine teure und umfangreiche Technik braucht, um anzufangen. Sollen Lernvideos im Unternehmen z.B. zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter oder für die Unterweisung von Auszubildenden zum Standard gemacht werden, kann auch später noch in Hard- oder Software investiert werden. Es lohnt sich für das Erstellen eigener Lernvideos jemanden im Unternehmen zu betrauen, der grundsätzlich Lust hat, sich in Videoerstellung und -bearbeitung einzuarbeiten. Oder der aus anderen Lebensbereichen vielleicht bereits Erfahrungen mitbringt. Je nach Komplexität der Arbeitsaufgaben und des Einsatzes der Videos spielt auch die didaktische Aufbereitung der Inhalte eine Rolle, d.h. ein Plan und ein kleines Drehbuch sind wichtige Hilfsmittel. Genau wie für andere Lernmittel gilt es beim Lernvideo auch, dass es an die Zielgruppe angepasst wird. Sollen beispielsweise neue Mitarbeiter ohne Vorerfahrungen angelernt werden, müssen die Inhalte anders aufbereitet sein als wenn vorhandene Mitarbeiter weiterqualifiziert werden. Auch für Menschen mit Förderbedarf oder geringqualifizierte Mitarbeiter sind dementsprechend Anpassungen nötig, diese können jedoch einfach vorgenommen werden.

Grundsätzlich hat uns die Arbeit an dem Video viel Spaß bereitet und uns um viele Erfahrungen bereichert, die wir mit Google nie gemacht hätten.


Hier sind die wichtigsten Fakten zur Videoerstellung in Kurzform:

Teilschritte

 

Vorbereitung (Recherche, Ansprachen, Testvideos)

Vorbesprechung

Drehen des Videos

Nachbearbeitung

Zeitaufwand

 

2h

 

30 min

1h 30 min

5h

Software

 

Videobearbeitung: Shotcut

(Open Source https://shotcut.org/)

Erstellung von Titelbildern, Erklärungen:

MS PowerPoint

Hardware

 

Smartphone:

Samsung Galaxy S8


Stolpersteine

  • Vor Beginn der Aufnahmen klören, wer die eigentliche Zielgruppe ist und zu welchem Zweck das Video eingesetzt werden soll.
  • Handy quer halten und nicht hochkant.
  • Bei Handyaufnahmen darauf achten, dass immer die Videofunktion eingestellt ist.
  • Fotos bspw. von Zwischenschritten, Arbeitsplänen oder Werkzeugen machen, um sie in das spätere Video einblenden zu können.
  • Sicherheitskopien der Rohdateien und das Abspeichern in Versionen verhindert Datenverluste.
  • Soll das gesamte Video oder Teile des Videos veröffentlicht oder aufgeführt werden bspw. auf der Homepage oder bei Messen, müssen die Beteiligten dazu ihre Zustimmung geben.

 

- Blogbeitrag verfasst von Anika Rehe -