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Lernkultur gestalten: Was bringt uns Leichte Sprache?


Sind wir mal ehrlich: Oft sind Texte kompliziert geschrieben. Unzählige Fremd- und Fachwörter werden in verschachtelten Sätzen aneinandergereiht. Auf Leser sind sie letztlich unverständlich, wirken langweilig und irrelevant. Folglich werden wichtige Informationen entweder falsch weitergegeben, einfach überlesen oder sofort wieder vergessen.

Dabei machen wir uns das Leben selbst viel schwerer als es eigentlich ist. Vieles lässt sich vereinfachen, indem sich an den Prinzipien der Leichten Sprache orientiert wird. Leichte Sprache möchte so sprechen und schreiben, dass es alle gut verstehen. Dabei gibt es gewisse Regeln wie die Verwendung von klarer Sprache, einfachen Sätzen und kurzen Wörtern. Zu vermeiden sind hingegen Formulierungen im Konjunktiv und Genititv [1]. Leichte Sprache bedeutet aber nicht nur kürzere Sätze zu bauen oder andere Wörter zu benutzen. Letztlich handelt es sich um eine anspruchsvolle Aufgabe: Komplexe Sachzusammenhänge werden auf das Wesentliche minimiert und angemessen vereinfacht. Das Ziel ist es, trotz anspruchsvoller Inhalte lesbare Texte und Sprache zu entwickeln. Leichte Sprache will nicht schön sein, sondern verständlich [2].

Leichte Sprache

 

Texte sind oft schwierig geschrieben. Es gibt viele fremde Wörter und lange Sätze. Dadurch werden Texte unverständlich und langweilig. Informationen werden nicht verstanden, falsch weitergegeben oder vergessen.

 

Aber es geht einfacher. Leichte Sprache verstehen alle besser.

 

Benutzen Sie einfache Sätze und Wörter. Vermeiden Sie den Konjunktiv (Möglichkeitsform) und Genitiv (zweiter Fall).

 

Leichte Sprache zu sprechen und zu schreiben kann schwer sein. Der Text darf nur vereinfacht werden. Der Inhalt und Sinn muss immer noch stimmen. Jeder muss den Text verstehen können.


Wir finden, Leichte Sprache ist ein Thema, das Unternehmen und öffentliche Einrichtungen für sich nutzen können und sollten. Durch die übersichtliche Struktur der Informationen kann die Informationsweitergabe verbessert und Fehler vermieden werden. Auch die Zugänglichkeit von Informationen und Lernmaterialien wird verbessert, wenn Ordnerstrukturen und Anweisungen einfach gestaltet und verständlich sind. Mit den beiden großen Schlagworten "demografische Entwicklung" und "Digitalisierung" stehen darüber hinaus alle Unternehmen vor der Heraus-forderung, geeignete Mitarbeitende zu finden und diese für wechselnde Anforderungen und neue Tätigkeitsfelder zu qualifizieren. Das funktioniert nur über eine Förderung des lebenslangen Lernens, da neues Wissen aufgrund der demografischen Entwicklung nicht über neue, frisch qualifizierte Personen in das Unternehmen geholt werden kann, sondern im Unternehmen selbst entstehen muss. Wie das lebenslange Lernen für alle Beteiligten gefördert werden kann, wird weiter unten erörtert.

Warum sollen Unternehmen leichte Sprache nutzen?

 

Unternehmen können besser werden, wenn sie leichte Sprache verwenden. Sie können Informationen einfacher machen. Es muss klar sein, wer die Information braucht. Dann machen Menschen weniger Fehler, wenn sie Informationen an andere weitergeben.

 

Menschen müssen wissen, wo sie Informationen finden. Wenn man etwas lernen möchte, muss man wissen, wo das Material dafür ist. Dafür muss zum Beispiel der Ordner auf dem Computer leicht zu finden sein.

 

Unternehmen stehen vor Herausforderungen. Sie müssen ihr Handeln daran anpassen, um erfolgreich zu sein. Eine Herausforderung ist der demografische Wandel. Der demografische Wandel führt in Deutschland dazu, dass es immer mehr ältere Menschen gibt. Unternehmen haben Probleme, junge Mitarbeitende zu finden.

 

Eine andere Herausforderung ist die Digitalisierung. Immer mehr wird mit Technik gemacht. Die Mitarbeitenden müssen die Technik nutzen können. Ältere Menschen sind damit nicht aufgewachsen. Deshalb brauchen sie länger, um den Umgang mit neuer Technik zu lernen. Außerdem gibt es ständig neue Technik. 

 

Unternehmen brauchen Mitarbeitende, die mit Technik umgehen können. Sie können nicht immer neue, junge Mitarbeitende einstellen. Deshalb müssen sie den älteren Menschen beibringen, wie man mit Technik umgeht. Wie das geht steht unter "Wie nutze ich Leichte Sprache zum Lernen?".


Unternehmen profitieren allerdings nicht nur von besser qualifizierten Mitarbeitenden, wenn sie Lernangebote an die Möglichkeiten der Mitarbeitenden anpassen, sondern sie können auch die Diversität fördern. Die Nutzung leichter Sprache hilft dabei, dass sich Menschen mit sprachlichen Barrieren oder Lernbeeinträchtigungen besser in das Unternehmen eingebunden und von diesem wertgeschätzt fühlen. Im Gegenzug ist die Bereitschaft höher, eigene Arbeit und Ideen in das Unternehmen einzubringen. Insbesondere kreative Prozesse profitieren von unterschiedlichen Herangehensweisen und Blickwinkeln, die Menschen mit verschiedenen Hintergründen haben. Gelebte Diversität spiegelt sich in der internen Kommunikation wider, wie Trainer Reinhard Heck im Interview erläutert: "Führungskräfte müssen sich vor allem mit unterschiedlichen kulturellen Fragen auseinandersetzen und sich informieren. Das ist nicht immer leicht, aber durch ein Bewusstsein, Achtsamkeit und Feinfühligkeit, gelingt auch die Kommunikation leichter." [3] Der Stellenwert von Diversität ist in deutschen Unternehmen bisher gering. Nur knapp die Hälfte der in einer Studie des Hernsteins Instituts befragten Unternehmen nutzen eine Strategie für Diversität oder beschäftigen sich mit der Entwicklung einer solchen. Von diesen Maßnahmen richten sich noch mal etwa die Hälfte an junge oder weibliche Mitarbeitende [4]. Unternehmen verschenken viel Potenzial, wenn sie ganze Beschäftigungsgruppen ignorieren.

Was hat leichte Sprache mit Diversität zu tun?

 

Unternehmen können Diversität fördern, wenn sie Leichte Sprache benutzen. Diversität bedeutet Vielfalt. Viele unterschiedliche Menschen kommen zusammen. Unterschiedliche Menschen haben auch unterschiedliche Ideen. Sie schauen unterschiedlich auf Probleme. Das hilft den Unternehmen.

 

Einigen Menschen sind normale Texte zu kompliziert. Zum Beispiel weil sie eine Lernbeeinträchtigung haben oder weil sie eine andere Muttersprache sprechen. Sie fühlen sich im Unternehmen nicht wohl, wenn es nur komplizierte Texte gibt. Wenn Unternehmen auch leichte Sprache nutzen, fühlen sich mehr Menschen wohl. Dann haben sie auch mehr Lust, gute Ideen mit dem Unternehmen zu teilen. Sie können ihre Arbeit auch besser machen.

 

Diversität entsteht im Alltag. Zum Beispiel wenn der Chef so spricht, dass sich alle angesprochen fühlen. Viele Unternehmen tun aber noch nichts für Diversität. Sie können erfolgreicher sein, wenn sie alle Mitarbeitenden fördern.


Um jeden mitzunehmen und die Vorteile von Leichter Sprache zu nutzen, kann eine ausgeprägte Lernkultur im Unternehmen helfen, jeden Mitarbeitenden optimal im Lernen zu fördern. Für Unternehmen ist Lernen zu einer immer wichtigeren Fähigkeit geworden, wodurch das Wissen eines Unternehmens erweitert und eine reibungslose Anpassung an die veränderten Umweltbedingungen ermöglicht wird. Kurz gesagt: Eine Lernkultur hilft Unternehmen flexibel, innovativ und konkurrenzfähig zu sein und zu bleiben und die eigenen Mitarbeitenden optimal zu fördern und einzubinden. Lerninhalte sollten dabei verständlich vermittelt werden und allen Mitarbeitenden von Nutzen sein. Lernkultur beschränkt sich somit nicht nur auf die klassische Weiterbildung, sondern dient auch dazu, günstige Voraussetzungen für organisationales Lernen zu schaffen. Bei der Umsetzung einer Lernkultur ist es sinnvoll, gezielt Freiräume für das Lernen zu schaffen und explizite Vereinbarungen im Unternehmen zu treffen, in welcher Form und wann gelernt werden kann. Lernen sollte im betrieblichen Kontext konzeptionell und methodisch unterschiedlich ausgestaltet werden. Der Lernprozess ist dabei abhängig von Faktoren wie Aufmerksamkeit, Interesse oder dem Grad des Vorwissens [5]. Diese unterschiedlichen Voraussetzungen müssen bei der Gestaltung von Lerninhalten berücksichtigt werden. Ein breit aufgestelltes Lernangebot, das unterschiedliche methodische und inhaltliche Ansätze nutzt, kann alle Mitarbeitenden mitnehmen. Leichte Sprache hilft bei der Gestaltung von Lernangeboten für Menschen, denen klassische Lernangebote zu kompliziert erklärt sind. Neben Texten, z.B. aus Lehrbüchern können auch Vorträge, Webinare oder Lernvideos nach den Prinzipien der leichten Sprache gestaltet werden. Lernvideos und Webinare bieten sich besonders an, da gesprochene oder geschriebene Texte mit Bildern bzw. Grafiken ergänzt werden. Als Inspiration wie so etwas aussehen könnte, finden Sie hier ein Lernvideo zum Thema Klimawandel in Leichter Sprache. 

Eine moderne, gut gestaltete Lernkultur ist daher in der Lage, Mitarbeitende zu inspirieren, zu unterstützen  und zu motivieren.

Wie nutze ich Leichte Sprache zum Lernen?

 

Unternehmen sollen daher leichte Sprache nutzen. Leichte Sprache hilft Mitarbeitenden beim Lernen. Mitarbeitende sollen gefördert werden.

 

Wissen ist wichtig für Unternehmen. Dadurch können sie besser neue Dinge entwickeln. Sie können sich gegen Mitbewerber behaupten.

 

Man verwendet den Begriff Lernkultur. Das heißt, Unternehmen schaffen eine gute Umgebung zum Lernen. Dafür gibt es verschiedene Mittel und Methoden.

 

Mitarbeitenden soll Zeit zum Lernen gegeben werden. Wenn ein Mitarbeiter motiviert und interessiert ist, lernt er besser. Es ist auch leichter, wenn er bereits viel weiß.

 

Mitarbeitende können dann unterschiedliche Lern-Angebote nutzen, wie Bücher, Videos, Vorträge oder Online-Seminare. Es gibt Lernvideos in Leichter Sprache. Hier ein Beispiel zum Thema Klimawandel: Klimawandel erklärt in leichter Sprache

 

Eine gut gestaltete Lernkultur motiviert, inspiriert und unterstützt Mitarbeitende.


ZUSAMMENFASSUNG  
Leichte Sprache ist einfach zu verstehen. Unternehmen können Leichte Sprache nutzen, um alle Menschen einzubinden. Zum Beispiel auch Menschen, die Probleme haben beim Lernen. Das ist wichtig, weil Unternehmen gerade viele Arbeitskräfte suchen. Sie müssen alle Menschen optimal fördern. Um neue Technik zu nutzen, müssen Menschen immer wieder etwas dazulernen. Damit alle Menschen lernen können, muss es für alle Menschen Angebote geben. Dabei helfen Lern-Angebote in Leichter Sprache. 

- Blogbeitrag verfasst von Laura Geißler und Leevken Timm -

Praktikantinnen im Projekt MobiLe!

Quellen:

[1] Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2018. Leichte Sprache: Ein Ratgeber. Abgerufen von: https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/a752-ratgeber-leichte-sprache.pdf?__blob=publicationFile  [14.10.2019].

[2] Die Magaziniker, 2016. Leichte Sprache braucht Mut. Abgerufen von:https://magaziniker.de/uwe-roth-ueber-leichte-sprache-in-unternehmenskommunikation-und-corporate-publishing/ [14.10.2019].

[3] Czadul, Sandra, 2016. Kulturelle Diversität - Ein Schlüssel zum Erfolg. Interview mit Reinhard Herok. Abgerufen von:https://www.biorama.eu/kulturelle-diversitaet-ein-schluessel-zum-erfolg/ [14.10.2019].

[4] Hernstein Management Report, 2019. 3.Report 2019: Unternehmenskultur und Diversität. Abgerufen von: https://www.hernstein.at/fileadmin/user_upload/HMR/HMR_3_2019_Kultur_und_Diversitaet.pdf [14.10.2019].

[5] Deutsches Institut für Erwachsenenbildung, 2003. Literatur- und Forschungsreport Weiterbildung: Gehirn und Lernen, 26, (3). Abgerufen von: https://www.die-bonn.de/esprid/dokumente/doc-2003/nuissl03_07.pdf [14.10.2019].