· 

Lernapps: Eine Möglichkeit der mobilen Weiterbildung?


In meinem Berufsleben und persönlichen Alltag bin ich oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Manchmal sind die Strecken so kurz, dass es nicht lohnt, sich in ein Buch zu vertiefen. Als ich zusätzlich für meinen Urlaub auch noch ein wenig Spanisch lernen wollte, fiel mein Blick auf die Apps meines Handys und die Möglichkeit sich darüber weiterzubilden. Sprachen lernen ist dabei eine der beliebtesten Kategorien unter den sogenannten Lernapps. Neben klassischen Vokabeltrainern gibt es viele Anbieter für Sprachkurse, die sich wiederum in kostenfreie oder bezahlbare, online oder offline-Angebote unterscheiden. Ich persönlich probierte Duolingo als kostenfreie App - allerdings muss man dafür Werbung akzeptieren und hat nur eine begrenzte Anzahl von Fremdsprachen mit der Ausgangssprache Deutsch zur Auswahl. Für meine Belange ist das vollkommen ausreichend und mit den kurzen Lektionen sind meine Fahrten im öffentlichen Nahverkehr nun gut verbracht.

Meine persönliche Erfahrung brachte mich dazu, Smartphone-Apps einmal näher als Form des digitalen und mobilen Lernens zu betrachten. Apps (kurz für Applikationen) sind gerade in dem Konzept des lebenslangen Lernens ein interessanter Aspekt, geben sie doch Gelegenheit alternativ oder ergänzend zu klassischen Weiterbildungen genutzt zu werden. Sie umfassen eine große Bandbreite von reinen Informationen über Spiele bis zu Businessanwendungen (Bitkom, 2013). Eine repräsentative Untersuchung der Bitkom Research von 2018 zeigt, dass 79% der befragten Unternehmen dem digitalen Lernen aufgeschlossen gegenüber stehen und vor allem die zeitliche und örtliche Flexibilität als großen Vorteil sehen. Des Weiteren ist durch mobile Endgeräte und Angebote ein höheres selbstorganisiertes Lernen möglich als beim Präsenzlernen - und es ist zudem kostengünstiger.

Bei all diesen Pluspunkten sowie des hohen Bekanntheitsgrads und der Nutzung von Apps im Alltag sollte diese Art des Lernens daher auch in Unternehmen zur Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden verbreitet sein. Doch dem ist nicht so. Während der sogenannte Endverbraucher individuell stetig stärker mobile Lernformate v.a. zur Allgemeinbildung nutzt und damit gleichzeitig auch digitale Kompetenzen im Umgang mit den Formaten erwirbt, setzen Unternehmen vorzugsweise auf Präsenzveranstaltungen (Bitkom 2018). Von allen digitalen Lernformaten rangieren zudem Lern-Apps weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen (KOFA 2019, Bitkom 2018). Diese werden ebenfalls öfter von größeren Unternehmen verwendet als von KMU.

Das mag daran liegen, dass Unternehmen passgenaue, individuelle Inhalte nachfragen. Bei den Apps im App-Store wird hingegen eine breite Masse angesprochen, was sich wiederum im Umfang und in der Tiefe der Lerninhalte widerspiegelt. Geht es hingegen um individuelle Gestaltung von Lern-Apps wird dies oft externen Bildungsanbietern überlassen, das wiederum kostenintensiv ist. Generell fehlt gerade KMU vor allem die Zeit und das Budget, sich mit Weiterbildungen dieses Formates auseinanderzusetzen und ggf. auch eigene Inhalte zu produzieren. Zudem herrscht eine Unübersichtlichkeit über die Angebote am Markt und über deren Qualität. Die fehlende Teilnehmerbetreuung gilt dabei den meisten Unternehmen als Gegenargument zu mobilen Lernformaten.

Jedoch liegt in der relativ einfachen Handhabbarkeit, dem Kennen aus dem privaten Alltag als auch des uneingeschränkten Zugriffs auf Lerninhalte die Chance, Apps stärker als bisher in der beruflichen Weiterbildung zu etablieren. Als ideale Ergänzung zu anderen Weiterbildungsformaten kann ich mir eine stärkere Nutzung zukünftig gut vorstellen. Und auch unternehmensspezifisch ist derzeit bereits möglich: Mittlerweile gibt es Plattformen bzw. Anbieter mit deren vorgefertigten Bausteinen Unternehmen eigene Apps gestalten und somit eigene Lerninhalte produzieren können. Wir von MobiLe! unterstützen dabei gern.

- Blogbeitrag verfasst von Nadja Semrau -

Quellen:

Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (Hrsg.): Digitale Bildung in Unternehmen - Wie KMU E-Learning nutzen und welche Unterstützung sie brauchen, KOFA-Studie 3/2019. Link hier

Bitkom e.V. & Verband der TÜV e.V. (Hrsg.): Weiterbildung für die digitale Arbeitswelt. Eine repräsentative Untersuchung von Bitkom Research im Auftrag des VdTÜV e.V. und des Bitkom e.V., Berlin 2018. Link hier

Bitkom e.V. (Hrsg.): Vom E-Learning zu Learning Solutions. Positionspapier AK Learning Solutions. Berlin 2013. Link hier