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Lichtgestaltung am Arbeitsplatz - wie Licht unsere Stimmung beeinflusst


Jeder kennt es! Im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, ist es morgens schwerer aufzustehen. Werden im Frühjahr die Tage länger, fällt die Wintermüdigkeit von uns ab und wir fühlen uns fitter und leistungsfähiger. Doch woher kommt dieser Effekt?

Das Licht der Sonne hat einen direkten Einfluss auf unseren Biorhythmus, wie Forscher im Jahr 2002 nachwiesen [1,2]. Ganglienzellen im Auge reagieren auf Blauanteile im Licht und senden eine Information an verschiedene Regionen im Gehirn, die den Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen steuern. Das passiert unter anderem über das vegetative Nervensystem, das für Körperfunktionen wie Atmung oder Temperatur zuständig ist, und über die Homone Melatonin und Cortisol. Melatonin fährt die Körperfunktionen herunter und leitet die Regenerationsphase des Körpers ein, der Mensch wird müde. Cortisol hat den gegenteiligen Effekt, die Körperfunktionen werden angekurbelt und der Mensch wird wach. Dieser Wirkungsmechanismus des Lichts über die Ganglienzellen auf den Biorhythmus des Menschen wird biologische Wirkung von Licht genannt. Die biologische Wirkung des Lichts hat sich über Jahrtausende unter dem Einfluss der Sonne entwickelt und bestimmte lange unseren Arbeitsablauf. Heutzutage sind wir von der Sonne nicht mehr so abhängig. Wir halten uns einen Großteil unserer Zeit unter Kunstlicht auf, dessen Eigenschaften wir bestimmen können. Wie können wir also die biologische Wirkung von (Kunst-) Licht im Arbeitskontext optimal nutzen?

Welche Anforderungen ergeben sich für die Lichtgestaltung? Bevor wir über die biologische Wirkung sprechen, müssen wir in punkto Lichtgestaltung kurz auf die optische Wirkung von Licht eingehen.  Es muss beispielsweise ausreichend hell sein und darf nicht stören. Dieser Faktor von Licht ist in der Arbeitsstättenverordnung rechtlich festgelegt und in mehreren Normen verankert. Für die biologische Wirkung von Licht ergeben sich unter Umständen andere Anforderungen als die der optischen Lichtgestaltung. Dennoch müssen beide vereinbart werden. Was muss also für die biologische Wirkung von Licht beachtet werden? Verschiedene Untersuchungen bieten Aufschluss darüber, welche Einflüsse eine biologische Lichtgestaltung im Rahmen Arbeit und Lernen haben kann.

Biologisch wirksames Licht, d.h. Licht mit vielen Blauanteilen, erhöht die Aufmerksamkeit und Konzentration. Schüler machten in einem Konzentrationstest etwa 20% weniger Fehler und konnten ihre Lesegeschwindigkeit um etwa 17% steigern, wenn sie unter kaltweißem Licht arbeiteten [3]. Beschäftigte, die unter kaltweißem Licht arbeiteten, berichteten von mehr Arbeitsleistung, Vitalität und mentaler Gesundheit sowie weniger Müdigkeit und Schläfrigkeit am Tag als eine Kontrollgruppe unter warmweißen Licht [4]. Für Aufgaben, die Kooperation oder Kreativität erfordern, ist hingegen warmes, gedämmtes Licht förderlich. Darüber hinaus beeinflusst Licht unsere allgemeine Stimmung. Es gibt individuelle, situative, kulturelle als auch jahreszeitliche Effekte, die individuelle Präferenzen der Lichtgestaltung beeinflussen. Beispielsweise wird im Winter helleres Licht mit mehr Blauanteilen bevorzugt als im Sommer [5]. Ausschlaggebend für einen positiven Effekt auf die Stimmung ist die subjektive Angemessenheit des Lichts.

Helles, kaltweißes Licht am Morgen macht wach und kann schon mal den Kaffee ersetzen. Auch dem weit verbreiteten Mittagstief wirkt eine kurze Erhöhung der Lichtintensität entgegen. Wollen Sie dagegen eine Besprechung mit Kollegen abhalten, sollten Sie das Licht lieber etwas dimmen und eine wärmere Lichtfarbe einstellen. Damit fördern Sie neue Ideen und ein harmonisches Miteinander. Ab dem mittleren Nachmittag - ab etwa 15 Uhr - sollten Sie eine warmweiße Lichtfarbe mit geringen Blauanteilen nutzen, um Ihren Schlafrhythmus nicht zu stören. Die hormonelle Umstellung von Cortisol zum Aktivieren auf Melatonin zum Regenerieren braucht nämlich einige Zeit. Wird diese Umstellung durch blaues Licht verhindert, leidet die Schlafqualität [7].

Auch bei der Umsetzung mobiler Lernkonzepte im Unternehmen kann die Lichtgestaltung einbezogen werden. Beispielsweise werden Webinare immer beliebter, da die Teilnahme ortsunabhängig möglich ist. Dazu bietet sich ein separater Raum an, um ungestört am Webinar teilzunehmen und kommunizieren zu können. Ist hier eine individuell einstellbare Lichtgestaltung möglich, bietet das den Lernenden die Möglichkeit, ihre Lernumgebung an die aktuelle Stimmung, Tageszeit und an die Inhalte des Webinars anzupassen. Darüber hinaus kann ein Lernraum flexibel gestaltet sein, um für unterschiedliche Lernkonzepte genutzt zu werden. Über verstellbare Tische, Moderationswände und Technik wird ein Besprechungsraum schnell für Gruppenarbeiten oder Vortragssituationen angepasst. Gleichzeitig steht somit Beschäftigten ein Raum für die ungestörte Teilnahme an mobilen Lernkonzepten zur Verfügung. Bei einer flexiblen Moblierung ist gerade eine anpassbare Lichtgestaltung unerlässlich, um situationsgerecht zu reagieren.

In jedem Fall ist die Möglichkeit zur individuellen Anpassung des Lichts entscheidend. Das Licht muss sowohl von der visuellen als auch von der biologischen Qualität individuellen Präferenzen entsprechen. Körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen können nämlich durch individuell nicht abgestimmtes Licht hervorgerufen werden.

Eine automatische Lichtgestaltung, die dem Lichtverlauf der Sonne folgt und individuell anpassbar ist, lässt sich durch die Nutzung und Vernetzung einstellbarer LEDs realisieren und hat sich in der Praxis bereits bewährt. Eine Hilfestellung zur Planung und Gestaltung von biologisch wirksamem Licht bietet die DIN SPEC 67600 "Biologisch wirksame Beleuchtung - Planungsempfehlungen". Unter Licht.de ist ein umfangreiches Heft zur Wirkung des Lichts auf den Menschen veröffentlicht.

 

- Blogbeitrag verfasst von Leevken Timm -

Praktikantin im Projekt MobiLe!  

Quellen:

[1] Hattar, S., Liao, H.W., Takao, M., Berson, D.M. & Yua, K.W. (2002). Melanopsin-containing retinal ganglion cells: architecture, projections, and intrinsic photosensitivity. Science, 295(5557), 1065-1070

[2] Berson, D.M., Dunn, F.A. & Takao, M. (2002). Phototransduction by retinal ganglion cells that set the circadian clock. Science, 295(5557), 1070-1073

[3] Barkmann, C., Wessolowski, N. & Schulte-Markwort, M. (2012). Applicability and efficacy of variable light in schools. Physiology & behavior, 105(3), 621-627

[4] Mills, P.R., Tomkins, S.C. & Schlangen, L.J. (2007). The effect of high correlated colour temperature office lighting on employee wellbeing and work performance. Journal of circadian rhythms, 5(1), 2.
[5] Bauer, W., Pross. A., Stefani, O., Bossenmaier, S. & Bues, M. (2015). LightWork: Benutzerakzeptanz und Energieeffizienz von LED-Beleuchtung am Wissensarbeitsplatz. Fraunhofer IAO, 31
[6] Werth, L., Steidle, A., Hubschneider, C., de Boer, J. & Sedlbauer, K. (2013). Psychologische Befunde zu Licht und seiner Wirkung auf den Menschen - ein Überblick. Bauphysik, 35(3), 193-204
[7] Chellappa, S.L., Steiner, R., Oelhafen, P., Lang, D., Götz, T., Krebs, J. & Cajochen, C. (2013). Acute exposure to evening blue-enriched light impacts on human sleep. J Sleep Res., 22(5), 573-580