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Design Thinking - Kreativwerkzeug in der Digitalisierung


Kreativität gilt als Ressource der Zukunft, sie bildet die Basis von Innovationen. Nüchtern betrachtet ist sie eine Fähigkeit, die die Menschen - bis jetzt zumindest - von Maschinen unterscheidet. Im digitalen Wandel gewinnt Kreativität somit immer mehr an Bedeutung, wird anhand von Kreativitätstechniken doch das Ziel verfolgt, die veränderten Formen der Zusammenarbeit im Digitalisierungsprozess zu bewältigen (Brunner, 2008).

Doch was macht Kreativität überhaupt aus? Wie können die kreativen Potentiale von Mitarbeitern freigesetzt werden? Wie kann Kreativität in Organisationskulturen integretiert werden und dazu beitragen, Herausforderungen der Digitalisierung zu überwinden?

Kreativität zählt zu den grundlegendsten menschlichen Fähigkeiten, über die alle Menschen bewiesenermaßen verfügen. Doch wird sie unterschiedlich stark genutzt (Backerra et al., 2007). Dabei zählt Kreativität zu einer der Schlüsselkompetenzen überhaupt und ist in fast allen Lebensbereichen gefragt. Kreativität mag auf den ersten Blick schwammig erscheinen. Schon eine individuelle Beurteilung, ob jemand kreativ ist, fällt schwer. Aus diesem Grund wird individuelle Kreativität in Organisationen häufig nicht entsprechend gefördert und als Wert wahrgenommen (Hüther & Schmid, 2010). Oft wird vernachlässigt, dass gerade Digitalisierung mehr Kreativität erfordert als allgemein angenommen. Sie ist Voraussetzung für neue Ideen, individuelle Problemlösungen und kann uns weiterhelfen, neue Wege im Zuge der Digitalisierung zu beschreiten. Dabei entsteht Kreativität primär in der Interaktion zwischen Menschen und kann sich besondern im Unternehmenskontext entfalten.

Im Zeitalter der Digitalisierung wird es immer wichtiger, Kreativität in Organisationen lebendig zu halten und verborgene, kreative Potentiale von Mitarbeitern zu fördern. Als eine Kreativitätstechnik kann das Design Thinking Lösungen und Antworten für allgegenwärtige Probleme der zunehmenden Komplexität und vernetzten Wertschöpfung anbieten (Lewrick, 2018). Design Thinking ist kurz gesagt eine Denk- und Arbeitskultur. Sie leitet dazu an, in multidisziplinären Teams kreativ zusammenzuarbeiten. Probleme sollen grundlegend neu gedacht werden, um fundamentale, disruptive Innovationen zu ermöglichen (Meine & von Thienen, 2016). Gerade eine interdisziplinäre Zusammenstellung von Teams bringt durch die unterschiedlichen Erfahrungen und Kenntnisse der Teammitglieder verschiedene Blickwinkel zusammen. Die Methode kann somit dabei helfen, neue Ideen entstehen zu lassen. Aktuell ist Design Thinking in aller Munde und wird stark angepriesen. Bei aller Euphorie sei dabei aber nicht vergessen, dass Design Thinking nicht für jeden Bereich und für jede Frage das Mittel der Wahl ist bzw. sein kann. Allerdings ist sie vor allem bei der Entwicklung von Dienstleistungen und innovativen Produkten und beim Verstehen der Bedürfnisse und Probleme von Nutzern hilfreich. Eine Lösungsentwicklung durch Kooperation soll angestrebt und Silodenken abgelegt werden.

Ein idealtypischer Verlauf des Design Thinkings kann dabei aus 6 Phasen bestehen (Grots & Pratschke, 2009 & Leonard-Barton, 1995):

1.Phase: Verstehen der Problemstellung. Hierbei geht es um die Vorbereitung und Durchführung von Recherchemaßnahmen. Ziel ist es, alle Teammitglieder auf den gleichen sog. "Experten-Stand" zu bringen.

 

 

2. Phase: Nun gilt es, die Zielgruppe zu beobachten und zu befragen sowie sich vorurteilsfrei mit ihr auseinanderzusetzen. Neue Inspiration kann dabei auch durch offene Dialoge mit Menschen außerhalb der Zielgruppe zustande kommen.

 

 

3.Phase: Synthese der gesammelten Informationen. Eindrücke, Einsichten und Ergebnisse werden mit dem Team geteilt. Dies geschieht entweder visuell oder narrativ durch Storytelling. Ziel ist es, am Ende einen gemeinsamen Wissensstand des Teams zu haben.

 

4.Phase: Nun erfolgt die konkrete Ideengenerierung durch Brainstorming im Team. Anschließend werden die Vorschläge strukturiert und die vielversprechendsten bezüglich Umsetzbarkeit, Attraktivität und Wirtschaftlichkeit ausgesucht.

 

 

5. Phase: Die ausgewählten Ideen sollen nun als Prototypen ausprobiert werden. Entscheidend dabei ist es, die jeweiligen Prototypen auch als Mittel für weitere Ideen zu verstehen. Mit Hilfe des dadurch entstehenden Iterationsprozesses werden die Ideen im Team immer weiter verfeinert und verbessert.

 


6. Phase: Im letzten Schritt erfolgt die Testphase. Durch Feedbackschleifen sollen Ansatzpunkte für Verbesserungen und Alternativen herausgearbeitet werden.

Im Design Thinking Prozess steht also vor allem der Nutzen für die Zielgruppe im Mittelpunkt. Der Ansatz bietet eine Struktur, um Sichtweisen auf Fragestellungen zu verändern. Von allein kann jedoch die Arbeitsmethode keine neuen Inhalte schaffen, das gelingt mit Leidenschaft und intrinsischer Motivation Neues zu entwickeln. Design Thinking kann uns dann aber anleiten, unseren Blick zu öffnen, um bedürfnisorientierte Innovationen im Rahmen der Digitalisierung hervorzubringen. Die Methode bietet also vor allem Anreize für neue Perspektiven. Wer sich mit der Methode näher vertraut machen möchte, dem stehen verschiedenste Möglichkeiten zur Verfügung. Ein Design Thinking Workshop für Einsteiger oder das Buch "Design Thinking Schnellstart" (Link hier) können nützlich sein.

Design Thinking kann vor allem dabei helfen, Digitalisierung nicht nur im Rahmen von digitaler Transformation zu sehen. Stattdessen ruft es dazu auf, sich der veränderten Zusammenarbeit von und in Unternehmen stärker zu widmen. Es regt an, ein Design Thinking Mindset in der Unternehmenskultur zu verankern. Zusätzlich bietet es eine gute Möglichkeit, seinen Horizont zu erweitern und kreativeres Zusammenarbeiten zu etablieren (Brommer et al., 2019). Es lohnt also durchaus, sich näher mit Design Thinking zu beschäftigen und sich davon inspirieren zu lassen.

 

- Blogbeitrag verfasst von Laura Geißler -

  Praktikantin im Projekt MobiLe!   

Literatur:

Brunner, A. (2008). Kreativer denken: Konzepte und Methoden von A-Z. München: Oldenbourg Verlag
Backerra, H. & Malorny, C. & Schwarz, W. (2007). Kreativitätstechniken: Kreative Prozesse anstoßen, Innovationen fördern. München: Carl Hanser Verlag
Hüther, G. & Schmid, B. (2010). Der Innovationsgeist fällt nicht vom Himmel - Kreativität in Menschen und Organisationen aus neurobiologischer und systemischer Sicht. In A. Schreyögg & C. Schmidt-Lellek, Die Organisation in Supervision und Coaching, 126-142.
Lewrick, M. (2018). Design Thinking: Radikale Innovationen in einer digitalisierten Welt. München: C.H.Beck-Verlag
Meinel, C. & Von Thienen, J. (2016). Design Thinking. Informatik Spektrum, 39 (4), 310-311
Grots, A. & Pratschke, M. (2009). Design Thinking - Kreativität als Methode. Marketing Review St. Gallen, 2, 18-23
Leonard-Barton, D.A. (1995). Wellsprings of Knowledge: Building and Sustaining the Sources of Innovation. Boston: Harvard Business School Press
Brommer, D. & Hockling, S. & Leopold, A. (2019). Faszination New Work: 50 Impulse für die neue Arbeitswelt. Wiesbaden: Springer-Verlag