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Kompetenzmanagement in Unternehmen


Weiterbildung und neue Formen der Mitarbeiterqualifizierung sind neben den Themen Digitalisierung und Wirtschaft 4.0 wichtige Bausteine im Projekt "MobiLe!". Dabei erhalten wir von vielen Unternehmen und Führungskräften, die wir auf Veranstaltungen kennenlernen oder im Rahmen unserer Interviewstudie besuchen, die Rückmeldung, dass es in diesem Bereich bereits an den Grundlagen für eine strategische Weiterbildungsplanung mangelt und an die Einführung neuer Modell gar nicht zu denken ist.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Sei es, dass ein Unternehmen in den letzten Jahren stark gewachsen ist und parallel zum Tagesgeschäft einfach keine Ressourcen für die Schaffung von Strukturen zur Verfügung standen oder eine strategische Mitarbeiterqualifizierung erst mit Eintritt des Fachkräftemangels an Bedeutung gewonnen hat. Allen Unternehmen gemein ist allerdings die Frage nach dem WIE:

"WIE kann eine Weiterbildungsplanung für unser Unternehmen aussehen und wie kann sie praktisch umgesetzt werden?"

In der Beschäftigung mit dieser Frage wird schnell klar, dass man an dem Thema Kompetenzmanagement nicht vorbeikommt. Denn wenn ich wissen möchte, welche Weiterbildungen oder Qualifizierungen meine Mitarbeiter benötigen, muss ich zuvor wissen, welche Kompetenzen mein Unternehmen jetzt und in der Zukunft braucht und was davon im Unternehmen bereits vorhanden ist.

Das Projekt MobiLe! entwickelt gemeinsam mit den Unternehmen eine Strategie zur Implementierung eines Kompetenz-managements. Ein erster Schritt ist in den meisten Fällen die Klärung relevanter Konzepte und Begriffe. Dabei orientieren wir uns u.a. an den Arbeiten von Simone Kauffeld und Kollegen, da diese Klein- und Mittelständische Unternehmen (KMU) in besonderer Weise berücksichtigen. Die Autoren definieren betriebliches Kompetenzmanagement folgendermaßen:

Ein betriebliches Kompetenzmanagement umfasst die systematische Planung, Durchführung und Kontrolle des Aufbaus, des Erhalts und der Entwicklung von Kompetenzen auf Grundlage eines Kompetenzmodells. Es verknüpft dabei verschiedene Human-Ressource-Prozesse (z. B. der Personalauswahl, der Personalentwicklung und Laufbahngestaltung) durch ein Kompetenzmodell. HR-Experten und Führungskräften werden Werkzeuge zur Verfügung gestellt, um individuelle, gruppenbezogene und organisationale Lernprozesse zu ermöglichen, zu fördern und zu unterstützen." (Kauffeld & Paulsen, 2018, p.28)

 

Das zugrundeliegende Kompetenzverständnis ist auf die berufliche Handlungskompetenz ausgerichtet (Abb. 1, Quelle: Kauffeld & Paulsen, 2018, p.14).

 

Beide Definitionen machen bereits den Nutzen der Auseinandersetzung mit dem Thema für ein Unternehmen deutlich. Entgegen genereller Trends fokussiert man auf die Formulierung unternehmensrelevanter Handlungskompetenzen, die dann die Grundlage eines Modells bilden, das für viele relevante Vorgänge im Unternehmen die Basis darstellt.

Dieses und vieles andere mehr ist Teil unseres vierstündigen Kompetenzworkshops, der die Grundlage für die eigenständige Arbeit in unternehmensinternen Kompetenzteams bildet und den wir bereits bei unseren Premiumpartner erfolgreich durchführten. Am Ende des Workshops, der viel theoretischen Input enthält, geht es in die praktische Umsetzung, die wiederum engmaschig von uns begleitet wird. Rein strategisch hat sich ein agiles Vorgehen als günstig erwiesen. Dabei wird nicht gleich ein komplettes Modell für das gesamte Unternehmen entwickelt, sondern mit einer Pilotabteilung gestartet. Das Modell wird beim weiteren Vorgehen immer wieder angepasst. Der Vorteil hierbei ist, dass man relativ schnell erste Ergebnisse sieht, sich der zeitliche Aufwand für alle Beteiligten bei der Entwicklung reduziert und der Fokus auch auf die Nutzbarkeit für Führungskräfte und Mitarbeiter gelegt werden kann.

Für uns ist es immer wieder spannend, die Arbeit der Teams in den Unternehmen zu begleiten und zu sehen, was dabei am Rande, neben der Beschäftigung mit Kompetenzen, an (Entwicklungs-)Prozessen angestoßen wird.

 

-Blogbeitrag verfasst von Anika Rehe-

Quelle:

Kauffeld, S. & Paulsen, H. (2018): Kompetenzmanagement in Unternehmen. Kompetenzen beschreiben, messen, entwickeln und nutzen. Stuttgart: W. Kohlhammer GmbH.