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Was ist Storytelling? - Unternehmenskulturelles Wissen dokumentieren und verbreiten


- Der Fortschritt lebt vom Austausch des Wissens - (A. Einstein)

Im Zeitalter der Wissensgesellschaft wird die Bedeutung von Information und Wissen als wichtigster Produktionsfaktor für Unternehmen angehoben. Explizites Wissen ist reproduzierbar, während implizites Wissen meist an Erfahrungen und Handlungen gekoppelt und immer vom Kontext abhängig ist.

 

Wissens- und Informationsdokumentation birgt stets einen hohen Zeit- und Energieaufwand. Wer nimmt sich dafür gern die Zeit? Dennoch muss ich sagen: einmal dokumentiert und abgelegt, steht das Wissen aber VIELEN zur Verfügung. Den Nutzen hat dann derjenige, welcher das Wissen abruft, der Aufwand entsteht beim Schreiber. Wenn ich jedoch immer nur Wissen abrufe, ist es für mich zeit- und energieökonomisch, weil ich das Wissen anderer nutzen kann. Würde sich allerdings jeder so verhalten, käme kein Wissensaustausch zustande.

Die Entwicklung des Wissenstransfers im Alter der Globalisierung und Digitalisierung ist mit der Erkenntnis verbunden, dass der Flow der Informationen und Erfahrungen nicht nur „top-down“ sondern auch „bottom-up“ stattfinden soll. Immer mehr Unternehmen entdecken für sich das sogenannte „Reverse Mentoring“, bei dem die älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von dem Erfahrungswissen jüngerer Kolleginnen und Kollegen profitieren. Die „Digital Natives“ können dabei mit ihrem Vorsprung aus dem IT-Bereich punkten. Alters-und Hierarchieunterschiede werden in so einem Rollentausch positiv genutzt.

Eine Methode zum nachhaltigen Wissenstransfer in Unternehmen bietet das sogenannte Storytelling. Der Austausch von Geschichten kann ein wahrer Augenöffner sein. Storytelling ist eine narrative Wissensmanagement-Methode und kann in der Unternehmenskultur verhaftete Normen und Werte aufdecken, kann im sozialen Arbeitsumfeld gesammelte Erfahrungen der Mitarbeiter erfassen und diese im gesamten Unternehmen kommunizieren. Alle an einem Ereignis beteiligten Mitarbeiter werden hinsichtlich ihrer Erlebnisse und Beobachtungen interviewt. Aus den unterschiedlichen Erzählungen und Perspektiven wird eine provokante Erfahrungsgeschichte entwickelt. Diese erfasst die Einstellung im Unternehmen zu Aspekten wie Teambildung, Kommunikation, Einarbeitung, Führung oder Kooperation. Verbreitet wird die Geschichte im Unternehmen nachdem diese in Workshops mit den Beteiligten und Firmenmitgliedern reflektiert wurde. 

 

Wie können Sie Storytelling im Kontext von Wissenstransfer einsetzen?

 

Die Methode durchläuft mehrere Phasen, um das verborgene Wissen zu sehen und im Anschluss die Erfahrungsgeschichten erstellen zu können.

  1. Planungsphase: Klärung der Zielsetzung mit der zu erstellenden Erfahrungsgeschichte, z.B. Will ein Unternehmen mehr über die gelebte Kultur im eigenen Unternehmen wissen? Im Anschluss wird nach einem herausragenden Ereignis im Unternehmen gesucht, anhand dessen die Geschichte erstellt werden soll.
  2. Interviewphase: Befragung möglichst vieler Personen, die am untersuchten Ereignis beteiligt waren. Ziel ist es, so viele verschiedene Sichtweisen wie möglich zum Sachverhalt zu bekommen. Einerseits gibt es konkrete Fragen an die verfolgte Zielsetzung und die Befragten erhalten zeitgleich Raum dafür, neue Aspekte in das Gespräch einzubringen und die persönlichen Einstellungen mitzuteilen.
  3. Phase des Extrahierens: Auswertung der unterschiedlichen Aussagen der Interviewpartner; thematische Schwerpunkte werden herausgearbeitet und mit unterschiedlichen Perspektiven und Zitaten belegt. Immer wieder genannte Ereignisse und Erzählungen gelten dann als thematische Schwerpunkte weil diese eine zentrale Rolle einnehmen.
  4. Erstellungsphase: Die thematischen Puzzleteile werden zu einer Erfahrungsgeschichte zusammen gefügt. Besonders dabei ist das Format: Das Dokument besteht aus mehreren Kurzgeschichten, jede Kurzgeschichte besitzt eine ansprechende Überschrift und einen prägnanten Vorspann. Der Rest wird in zwei Spalten festgehalten: die rechte Spalte ist wörtlichen Zitaten der befragten Personen vorbehalten.  Links erstellen die Autoren provokante Fragen, arbeiten mit Zitaten und geben andere Impulse die kommentieren oder zum Nachdenken anregen.
  5. Verbreitungsphase: Diese beginnt, wenn alle Beteiligten den Text gelesen und freigegeben haben. Als Medium können Workshops, Vorträge usw. dienen. Hier kommen Mitarbeiter zusammen, um sich über die Erfahrungsgeschichte auszutauschen und um gemeinsam zu überlegen, wie das Unternehmen aus den Erfahrungen der Vergangenheit für die Zukunft lernen kann.

 

Benefits der Methode im Überblick:

  • Konkrete Verbesserungsvorschläge auf der organisatorischen Ebene vor allem im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich
  • Storytelling kann bei den Beschäftigten Reflexionsprozesse und Einsichten über Verhaltensweisen und Ursachen für Erfolge und/ oder Fehlschläge anstoßen
  • Anhand der Erfahrungsgeschichte können konkrete Maßnahmen können abgeleitet werden.

 

- Blogbeitrag verfasst von Mandy Steinbrück -