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Webinar – Zwischen Anspruch und Wirklichkeit


 Am 13.08.18 war Schulanfang in Thüringen. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler sind wieder auf ihrem Weg in die Klassenzimmer und verfolgen (hoffentlich) aufmerksam den Unterricht, den ihre Lehrerinnen und Lehrer (hoffentlich) abwechslungsreich vorbereitet haben. Auch diejenigen, bei denen diese Zeit zurückliegt, erinnern sich wahrscheinlich mit sehr unterschiedlichen Gefühlen an die eigene Schul-, Ausbildungs- oder Studienzeit. Und da heutzutage unter dem Motto „lebenslanges Lernen“ nie ausgelernt ist, hat ebenso wahrscheinlich jeder bereits die eine oder andere Weiterbildungsveranstaltungen besucht. 


Und ebenso wahrscheinlich wird es bei der Mehrheit eine klassische Präsenzveranstaltung gewesen sein – wie bei mir. Als Lernende und Lehrende bin ich auf diese Form der Weiterbildung oder Qualifizierung vorbereitet. Digitalisierung oder mobiles Lernen – damit verband ich vor allem Internetrecherche zu bestimmten Themen oder das Durchklicken mehr oder minder interessanter computergestützter Lernprogramme. 

Bis ich mich beruflich bedingt mit den verschiedenen Konzepten zu Online-Learning oder Blended Learning auseinandersetzte und mich zur E-Tutorin qualifizierte.  Seitdem beschäftigt mich vor allem das sogenannte Webinar sehr. Ein Begriff, der sich aus den zwei Wörtern Web für Internet und Seminar zusammensetzt und für ein interaktives webgestütztes Seminar in einem virtuellen Klassenraum steht.

Wie zu sehen ist, können in diesem Klassenraum die Lernenden „Platz nehmen“ und gesteuert vom Moderator oder E-Tutoren in Gruppen lernen, arbeiten, diskutieren, sich weiterbilden. Leider wird aktuell der Begriff Webinar inflationär und in anderen Kontexten verwendet bzw. die Möglichkeiten dieser Lerntechnologie nicht ausgenutzt. Marketingveranstaltungen, Schulungen zu Produkten oder Webkonferenzen werden als Webinar betitelt und können somit die Begeisterung an einem Webinar teilzunehmen schmälern.

Das Tolle nämlich ist gerade die Möglichkeit, Nachfragen zu stellen, selbstständig Fragestellungen und Themen zu erarbeiten und mit den anderen Teilnehmenden in  Austausch untereinander zu kommen. Das ist hier genauso möglich wie in der klassischen Präsenzveranstaltung, ja sogar notwendig, um es interessant zu gestalten und zu erleben. Der große Vorteil liegt jedoch in seiner räumlichen oder örtlichen Flexibilität: Sowohl der Moderator als auch die Teilnehmenden können sich von überall mit Hilfe eines internetfähigen Rechners, eines Zugangscodes und eines Headsets ins Webinar zuschalten, egal wo man sich aufhält. Nur die Zeit ist gleich; alle kommen zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammen; alle sehen, hören und erleben das Gleiche.

Und als E-Tutoren können Sie hier kreativ werden, um Ihre Lerngruppe aufmerksam zu halten – nein Sie müssen es sogar. Im virtuellen Klassenzimmer tritt die Körpersprache, die körperliche Präsenz eines Dozenten fast vollständig zurück.  Zwar ist eine Videoschaltung möglich, doch aufgrund der unterschiedlichen Breitbandleistungen derzeit eher störend als hilfreich. Somit erhält die STIMME  eine starke Gewichtung und wird zum wichtigsten Kommunikationskanal zwischen Lehrenden und Lernenden. Als auch die didaktische und methodische Aufbereitung des Seminars im Webinar. Sie können es sich vorstellen: Wenn ich von überall mich einschalten kann bspw. vom Büro, von jedem Arbeitsplatz, im Hotelzimmer, zu Hause in der Küche dann sind auch die Ablenkungen stärker als in einem klassischen Klassenzimmer. Ganz zu schweigen davon wie schnell Sie am Rechner in andere Seiten „abtauchen“ könnten.

 

Das finde ich als E-Tutorin so faszinierend, wie sich trotz der fehlenden körperlichen Präsenz aller Teilnehmenden ein Gruppengefühl entwickelt, wie ein Atmosphäre im Raum entsteht, wie es Webinargruppen gibt, die sofort miteinander in Kontakt sind und andere, die viel Anleitung und Anregung brauchen. Wie Sie Teilnehmenden haben, die sich furchtlos auf die neuen (technischen) Möglichkeiten stürzen und andere, die schüchtern in ihr Mikrofon flüstern und sich gern vorm Mitarbeiten drücken – also ganz wie in einem Seminar. Begeistern bin ich immer wieder, wenn Teilnehmende nach ihren allerersten Webinaren zu mir sagen, es hat Spaß gemacht und sie freuen sich auf mehr. Solch ein Erlebnis wünsche ich auch Ihnen, auf das Monologe oder Vorlesungen im Webinar der Vergangenheit angehören.

 -Blogbeitrag verfasst von Nadja Semrau-