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Sommerzeit = Urlaubszeit = Erholung?


Viele kennen die Situation: bis zum Urlaub noch schnell alles fertigmachen, Vertretung (wenn möglich) organisieren und alle erdenklichen „Notfälle“ vorbereiten, damit man dann endlich in den wohlverdienten Urlaub starten kann. Und dann ist der „Tag X“ da. Man steht mit gepackten Koffern am Flughafen und just beim Einchecken kommt der Gedanke „Hab ich auch…?“. Aber alles kein Problem: ein kurzer Anruf im Büro oder ein Blick ins Handy, wo man vorsorglich einen Mailzugriff für die Dienstmails eingerichtet hat. Ungemein praktisch, alles schnell erledigt. ABER: neben dem, was man eigentlich wissen wollte, erfährt man auch so manch anderes oder liest gleich noch schnell die paar Mails, die so angekommen sind. Man ist ja eh einmal dabei und so hat man nach dem Urlaub ein paar Mails weniger…

 

Wenn das jetzt für einige nicht dramatisch klingt, ist das verständlich, doch meist bleibt es nicht bei dem einem Telefonat, dem einen Mal „E-Mails-Checken“. Häufig werden MitarbeiterInnen auch im Urlaub angerufen und kurz um dieses oder jenes gebeten oder sie sind selbst noch lange gedanklich mit Arbeitsinhalten beschäftigt. Abschalten fällt schwer – Erholung sieht anders aus. Tatsächlich geben 64 Prozent der MitarbeiterInnen an, im Urlaub beruflich erreichbar zu sein (Bitkom Research 2018).

 

Ein ähnliches Szenario ergibt sich, wenn man sich die arbeitsbezogene erweiterte Erreichbarkeit (so die Definition für „ständige Erreichbarkeit“ im Rahmen der Untersuchung) im Gesamten anschaut. Im Arbeitszeitreport (BAuA, 2016, S.74-81), einer großangelegte Studie Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) mit ca. 18 000 Befragten, gaben 22% der Teilnehmer an, dass von ihnen erwartet wird auch im Privatleben für berufliche Belange erreichbar zu sein. 17% antworteten mit „teils-teils“ und nur 61% gaben an, dass dies nicht der Fall sei. Auf die Frage nach der Häufigkeit einer tatsächlichen Kontaktierung im Privatleben von Mitarbeitern und Mitarbei­terinnen, Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzten oder Kundinnen und Kunden, antworteten 12% mit häufig und 23% mit manchmal. 65% der Befragten gab an, dass dies selten oder nie vorkomme. Jedoch gibt es große Unterschiede zwischen den Branchen und Unternehmen, sowie zwischen MitarbeiterInnenn mit und ohne Führungsverantwortung.

 

Doch welche Folgen hat diese (gefühlte) ständige Erreichbarkeit?

Da der Begriff der „ständigen Erreichbarkeit“ in verschiedenen Studien jeweils unterschiedlich definiert und gemessen wird, sind die Ergebnisse leider kaum miteinander vergleichbar (BAuA, 2016, S.74). Trotzdem lassen sich allgemeine Auswirkungen ableiten. Zu den negativen Auswirkungen zählen hierbei:

  • Reduzierte Erholung
  • Gesundheitliche Probleme
  • Fehlzeiten
  • Schlafprobleme
  • Psychische Beanspruchung
  • Erhöhtes Stressempfinden
  • und weitere ...

Natürlich gibt es auch positive Aspekte. Auf unerwartete Ereignisse oder auch Kundenwünsche kann schneller reagiert werden und Absprachen in und zwischen Teams sind schneller möglich. Gerade im Zusammenhang mit der Flexibilisierung von Arbeitszeiten schätzen MitarbeiterInnen mit Kindern, die Möglichkeit ihren Büroarbeitsplatz eher zu verlassen, um dann noch ausstehende Arbeit abends zu erledigen, wenn die Kinder im Bett sind.

 

Wie bei vielen anderen Dingen entscheidet eine große Anzahl von (z.T. individuellen) Faktoren darüber wie Erreichbarkeit von jedem Einzelnen wahrgenommen und bewertet wird, bzw. ab wann sie negative Auswirkungen nach sich zieht.

 

Das Ziel muss jedoch eine gesundheitsförderliche Gestaltung von Erreichbarkeit und Arbeitszeiten sein, die allen – MitarbeiterInnen und Unternehmen – nützt. Schließlich sollte Urlaub der Erholung dienen und man die schönste Zeit im Jahr ohne „schlechtes Gewissen“ genießen können. 

- Blogbeitrag verfasst von Anika Rehe -

 

Quellen:

 

BAuA (2016). Arbeitszeitreport Deutschland 2016. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Zugrif am 17.07.2018. Verfügbar unter https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/F2398.html

 

Bitkom Research (2018). Zugriff am 17.07.2018. Verfügbar unter https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Web-Meeting-am-Strand-Zwei-von-drei-Berufstaetigen-sind-im-Urlaub-erreichbar.html

 

Pangert, B., Pauls, N., Schlett, C. & Menz, W. (2017). Ständige Erreichbarkeit - Ursachen, Auswirkungen, Gestaltungsansätze. Ergebnisse aus dem Projekt MASTER - Management ständiger Erreichbarkeit. Freiburg i. Br.: Albert-Ludwigs-Universität.  PDF-Dokument verfügbar unter http://erreichbarkeit.eu/images/Ergebnisbroschuere_250817.pdf