· 

Wie der digitale Wandel die Arbeits- und Berufswelt verändert

Die Diskussion über den Einfluss von Digitalisierungsprozessen in der Arbeits- und Berufswelt ist in der medialen Landschaft präsenter denn je. Thematisiert wird hierbei u.a. die Wahrscheinlichkeit des Verlustes von Berufsbildern durch neue Technologien und Automatisierungsprozessen in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren. Eine amerikanische Studie prognostiziert, dass aktuell nahezu die Hälfte der US-Beschäftigten in Berufen tätig sind, die in den folgenden zwei Jahresdekaden vom Wegfall bedroht und durch Computer oder computergestützte Maschinen potenziell ersetzbar sind (Frey & Osborne 2013). Das gleiche Szenario wird für die Bundesrepublik Deutschland skizziert (Brzeski & Burk 2015).

 

Eine detailliertere und wissenschaftlich elaboriertere Methode liegt weniger in der alleinigen Betrachtung von Berufen, sondern rückt die entsprechenden beruflichen Tätigkeiten näher in den Fokus. Im Kontext dieser Betrachtungsweise hat das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) Regionaldirektion Thüringen-Sachsen-Anhalt den Einfluss der Digitalisierung auf die Thüringer Arbeits- und Berufswelt untersucht:

 

„Die Digitalisierbarkeit der Arbeitswelt ist in Thüringen ausgeprägter als in den meisten anderen Bundesländern: Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die in einem Beruf mit hohem Substituierbarkeitspotenzial (> 70 %) arbeiten, ist hier mit 18,8 Prozent deutlich überdurchschnittlich im Vergleich zu Deutschland insgesamt (14,9 %). Die höhere Betroffenheit erklärt sich größtenteils durch die spezifische Wirtschaftszweigstruktur im Freistaat. Das Verarbeitende Gewerbe und damit auch die Produktionsberufe haben hier eine große Bedeutung. Diese Berufe, insbesondere die Fertigungs- und Fertigungstechnischen Berufe, weisen ein hohes Substituierbarkeitspotenzial auf.“ (Kropp et al. 2017, S. 36)

 

Die Autoren betonen, dass eine entsprechend hohe Rate von möglichen Substituierungprozessen nicht mit einer erhöhten Arbeitsmarktdynamik gleichzusetzten ist, da Berufe immer aus substituierbaren und nicht-substituierbaren Tätigkeiten bestehen. Darüber hinaus kann eine hohe Substituierbarkeit als Indikator verstanden werden, für welche Berufe ein erhöhter Weiterbildungs- und Qualifizierungsbedarf besteht.

 

Für Berufe mit einem hohen Grad an Substituierbarkeit können neue Tätigkeitsfelder definiert werden, ohne dass es zu einem Verlust des generellen Berufsbildes kommen muss. Entsprechend ist der Qualifizierungsbedarf so auszurichten, dass das lebenslange Lernen besonders gefördert wird, um Beschäftigte auf dem nötigen Wissensstand der (technologischen) Entwicklung zu halten. Ein wichtiger Baustein kommt hierbei neuen E-Learning Konzepten wie u.a. dem mobilen Lernen zu, so Riebe et al. (2015). Ferner betonen weitere Untersuchungen, dass neben der Vermittlung von Fachwissen ein Kompetenzerwerb anzustreben ist, welcher das Arbeiten in der digitalisierten Berufswelt fördert. Eine empirische Untersuchung des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) kommt hierbei zu dem Ergebnis, dass für folgende Kompetenzen der Handlungsbedarf erhöht ist (Eilers et al. 2017):

 

·      Bereitschaft, sich auf Veränderungen aktiv einzulassen,

·      Fähigkeit zum Umgang mit Komplexität,

·      Fähigkeit, mit Unsicherheiten/Risiken umzugehen,

·      Fähigkeit, in Zusammenhängen zu denken,

·      Priorisierungskompetenz,

·      Selbstmanagement und

·      Kommunikationsfähigkeit.

 

Im Zuge des technologischen Fortschritts ist die Arbeits- und Berufswelt immer schnelleren Anpassungsprozessen ausgesetzt, insbesondere in Thüringen. Dies muss jedoch nicht mit einem generellen Verlust von Berufen einhergehen, sondern vielmehr mit einem Wandel von Berufsbildern. Neben der formal-fachlichen Qualifizierung gewinnt der Erwerb von digitalen Kompetenzen zunehmend an Bedeutung. Handhabbare E-Learning Methoden, wie mobile Lernformate, erfüllen hierfür die nötige Flexibilität.

 

- Blogbeitrag verfasst von Maik Hensel -

 

Grafik: CC0 Creative Commons (https://pixabay.com/de/erwachsenenbildung-schreiben-wissen-3258944/)

 

Weiterführende Literatur:

 

Brzeski, Carsten; Burk, Inga (2015): https://www.ing-diba.de/pdf/ueber-uns/presse/publikationen/ing-diba-economic-research-die-roboter-kommen.pdf (Zugegriffen: 16.04.2018).

 

Eilers, Silke; Möckel, Kathrin; Rump, Jutta; Schnabel Frank (2017): HR-Report 2017. Schwerpunkt Kompetenzen für eine digitale Welt – Studie. https://www.hays.de/documents/10192/118775/Hays-Studie-HR-Report-2017.pdf/3df94932-63ca-4706-830b-583c107c098e (Zugegriffen: 16.04.2018).

 

Frey, Carl Benedikt; Osborne, Michael A. (2013): The future of employment. How susceptible are jobs to computerisation? The future of employment. How susceptible are jobs to computerisation? https://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/academic/The_Future_of_Employment.pdf  (Zugegriffen: 16.04.2018).

 

Kropp, Per; Theuer, Stefan; Fritzsche, Birgit; Buch, Tanja; Dengler, Katharina (2017). Die Digitalisierung verändert die Berufswelt. Substituierbarkeitspotenziale in Thüringen. http://doku.iab.de/regional/SAT/2017/regional_sat_0117.pdf (Zugegriffen: 16.04.2018)

 

Riebe, Sebastian; Blanco, Sonja; Eickholt, Clarissa; Baumgarten, Kerstin (2015). Arbeitsprozessintegriertes Lernen mit mobilen Lernformaten im Einzelhandel. http://www.systemkonzept.de/fileadmin/data/RiebeBlancoEickholtBaumgarten_15WS.pdf (Zugegriffen: 16.04.2018).